Globalisierung als Herausforderung für die Pfadfinderpädagogik

Globalisierung als Herausforderung für die Pfadfinderpädagogik

Dr. Matthias D. Witte, Marburg

Tagungsband 2010, S. 85-100


Zusammenfassung:

Was hat Pfadfinden mit Globalisierung zu tun? Globalisierung bezeichnet einen Prozess weltumspannender Verbreitung und Vernetzung von Beziehungen. An dieser Begriffsbestimmung zeigt sich, dass die Pfadfinderbewegung ein Beispiel für Globalisierung ist. Als globale Jugendbewegung macht sie deutlich, dass Globalisierung keineswegs ein neues Phänomen ist. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Grundlagen für ein globalisiertes Pfadfindertum gelegt. Heute zählt die Bewegung mehr als 38 Millionen Kinder und Jugendliche aus über 200 Ländern. Die Pfadfinderpädagogik, so könnte man meinen, ist damit gut gerüstet für die Anforderungen in einer globalisierten Welt. Jedoch steht die pfadfinderische Jugendarbeit im Zeitalter der Globalisierung neuen Herausforderungen gegenüber, mit denen sie umgehen muss.

  • Die Globalisierung führt in räumlicher Hinsicht zu einer Veränderung des Raumes und zu neuen Formen der Entgrenzung des Raums.
  • In zeitlicher Hinsicht führt Globalisierung zu einer „Schrumpfung der Zeit“ und zu einem veränderten Zeitbewusstsein.
  • In sachlicher Perspektive führt Globalisierung zu einer exponentiellen Zunahme gesellschaftlichen Wissens.
  • Globalisierung verändert in sozialer Hinsicht das Verhältnis von Fremdheit und Vertrautheit.

Diese vier Merkmale der Globalisierung bringen eine tiefgreifende Veränderung der Sozialisations-, Lern- und Bildungsbedingungen von Kindern und Jugendlichen heute mit sich und setzen auch die Pfadfinderpädagogik unter Druck.

In meinem Vortrag werde ich vier Bereiche der Pfadfinderpädagogik herausgreifen, um an Ihnen das Konzept des Pfadfindens als eine Antwort auf die Anforderungen in einer globalisierten Welt zu verdeutlichen: (1) Learning by Doing, (2) fortschreitende Selbsterziehung, (3) das Abenteuer im Bildungsprozess und (4) das Unterwegssein in der Natur. Dabei wird ersichtlich, dass Globalisierung und Pfadfinden nur scheinbar zusammenpassen. Die Pfadfinderbewegung stellt eher ein Kontrastprogramm zur Globalisierung dar, wenn Globalisierung hier verstanden wird als ein vom Motor der Wirtschaft vorangetriebener Prozess. Daher darf die Pfadfinderpädagogik nicht in die Falle einer ökonomisierten Bildungsperspektive tappen, auch wenn messbare Leistung und in Zertifikaten dokumentierbarer Erfolg im internationalen Bildungswettbewerb immer bedeutsamer werden. Das Pfadfinden muss ein Schonraum bleiben, in dem Kinder und Jugendliche sich ausprobieren, sich entwickeln können, um ihre eigene Lebenslinie und -gestalt zu finden.


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