Sonntag, 23 Januar 2022

Politische Einstellungen und politisches Interesse Jugendlicher: Ergebnisse der Shell-Jugendstudien

Ulrich Schneekloth, Leiter des Forschungsbereichs „Familie, Bildung, Bürgergesellschaft“

Die 18. Shell Jugendstudie von 2019 trägt den Untertitel „Eine Generation meldet sich zu Wort“. Trotz des spätestens seit den 2000er Jahren prägenden pragmatischen Grundmusters in den Einstellungen und Haltungen in den jeweiligen jungen Generationen zeichnen sich inzwischen deutliche Veränderungsprozesse ab. Die gegenwärtigen 12 bis 25jährigen formulieren wieder nachdrücklicher eigene Ansprüche insbesondere hinsichtlich der Gestaltung der Zukunft der Gesellschaft und fordern vermehrt aktiv ein, dass bereits heute dafür die aus ihrer Sicht erforderlichen Weichenstellungen vorgenommen werden müssen. Als zukunftsrelevante Themen haben vor allem Klimawandel und Schutz der Umwelt erheblich an Bedeutung gewonnen. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass trotz klar erkennbarer Unterschiede je nach Herkunft und eigenem Bildungsgrad trotzdem keine unüberbrückbaren Polarisierungen oder Spaltungen in den Einstellungen zu beobachten sind. Auch die Unterschiede zwischen Ost und West, zwischen männlichen und weiblichen Jugendlichen und zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund werden tendenziell eher kleiner als größer. Quer durch alle Gruppierungen finden sich eine Reihe von Gemeinsamkeiten, darunter eine zunehmende Sorge um die ökologische Zukunft, ein Trend zu Toleranz und zu gegenseitigem Respekt, eine wachsende Achtsamkeit gegenüber sich und anderen in Bezug auf die eigene Lebensführung, ein starker Sinn für Gerechtigkeit sowie ein sich wieder verstärkender Drang, sich dabei auch selber aktiv einzubringen und mitzugestalten. Nicht zu übersehen ist allerdings auch die bei einem Teil der Jugendlichen vorhandene Affinität zu populistischen Positionen sowie die auch weiterhin spürbare Distanz gegenüber „denen da oben“ in Politik und Gesellschaft. Spuren haben an dieser Stelle insbesondere die sogenannte Flüchtlingskrise und die damit verbundenen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen hinterlassen. Die hier zum Ausdruck kommende Kritik am sogenannten Establishment scheint auch davon geprägt zu sein, dass sich junge Mensch ganz generell nicht hinreichend gefragt und einbezogen fühlen.

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